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Oh du schöne Scheinwelt

Beitragsbild Quelle: Depositphoto, @tweek

Hallo Ihr Lieben,

heute greifen wir ein Thema auf, welches uns immer wieder beschäftigt und vielleicht auch dem ein oder anderen von euch recht bekannt vorkommt.

Die heutige Welt besteht immer mehr aus Schein als tatsächlichem Sein, was mitunter durch die sozialen Medien etc. verstärkt wird.

Einer unserer Ausbilder meinte mal zu uns: „Wenn Du nach einem Workout noch gut aussiehst, war es kein gutes Workout!“. Eine Aussage, welche uns inzwischen täglich begleitet und welche wir uns völlig einverleibt haben. Vielleicht stellt sich der ein oder andere nun die Frage, was wir als ein gutes Workout ansehen. Mit Sicherheit eine Art der Definition, aber für uns müssen hier mit inbegriffen sein: Schweiß, Muskelbrennen und massive Ausschüttung von Endorphinen am Ende der Trainingseinheit.

Gerade zu unseren Anfangszeiten als Trainer haben wir uns oft gefragt, wie es bei den Teilnehmern wohl ankommt, wenn wir zwei komplett verschwitzt mit hochrotem Kopf vorne stehen und ebenfalls wie die restliche Gruppe etwas außer Atem sind. Man sollte hierbei anmerken, dass wir seit unserem Trainerdasein natürlich bevorzugt die Übungen anleiten und dann hauptsächlich korrigierend bzw. motivierend in der Stunde unseren Teilnehmern zur Seite stehen. Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen und so kommt es bei bestimmten Stundenbildern schon auch vor, dass wir völlig „On Fire“ sind und mit der Menge mitgehen. In dem Fall wäre es dann wie oben beschrieben, denn ja wir sehen danach rot, verschwitzt und bescheiden aus, aber kaum ein Mensch könnte dann glücklicher sein!!!

Sind wir so anders?…

Die Scheinwelt ging natürlich auch an uns nicht vorbei und somit hat es uns anfangs stark irritiert, dass es offensichtlich niemanden gab, der wie wir auch dementsprechend aussieht. Des Rätsels Lösung fand sich aber schnell, denn bei genauerem Hinsehen, sei es in den digitalen Medien oder Videos auf entsprechenden Plattformen, wussten wir sofort woran das liegt. Wenn man bestimmte Übungen nur imitiert ohne diese wirklich mit Kraft und Energie auszuführen, erklärt sich schnell die geringe Schweißproduktion etc.. Hierbei bekommt man weder einen hochroten Kopf noch nasses Haar, noch verläuft der evtl. vorher noch extra nachgezogene Lidstrich.

Fragen über Fragen…

Es stellt sich hierbei jedoch die Frage, was das soll und was damit bezweckt wird. Weshalb gibt es nicht Einen, der mal ein REALES Bild von sich nach einem Workout veröffentlicht? Natürlich unter der Voraussetzung, dass hier nicht imitiert, sondern tatsächlich hart gearbeitet wurde.  Warum nicht? Es gibt tausende Bilder davon, wie man „angeblich“ nach einer harten Trainingseinheit aussieht, aber im Ernst, jeder von uns weiß, dass keines davon der Realität entspricht. Die Antwort auf die Frage ist jedoch ganz einfach: ES INTERESSIERT EINFACH NIEMANDEN!! Wir wollen nur fitte, gesunde und schöne Menschen sehen.

Wir tragen die Hoffnung in uns, dass wir alle irgendwann mit Sport genau dahin kommen. Dass wir nach einer Sporteinheit genauso aussehen: akkurater Lidstrich, kein Tropfen Schweiß, kein nasses Shirt, welches an der Haut klebt.

Und dann kommt die Realität …

Sobald wir bemerken, dass wir in Wahrheit eben nicht so aussehen  wenn wir Sport treiben, dass wir trotz Einhaltung einer guten Ernährung und mehr Sport genau dort eben nie ankommen werden, neigen wir Menschen dazu nachlässig zu werden. Der innere Schweinehund gewinnt wieder mehr an Bedeutung, da das Denken „wir-werden-es-nie-erreichen“ immer dominanter wird. Aber weshalb? Warum muss immer alles perfekt und schön sein? Geht es hier doch nur um den Schein und das gute Aussehen bzw. Ansehen der anderen oder will man sportlich wirklich was erreichen? Diese Antworten kennt nur jeder selbst, wie auch das Ziel worauf er hinarbeiten möchte.

Das große Entsetzen folgte…

In der letzten Zeit passiert es uns immer öfter, dass wir angesprochen und gefragt werden, weshalb man von uns auf den sozialen Medien wie Instagram & Co. keine Fitnessbilder sieht. Hier stellen wir meistens direkt die Gegenfrage, was derjenige denn genau mit Fitnessbildern meint. In 99% der Fälle erhalten wir die identische Antwort: „Bilder wie die ganzen Fitnessmodels im knappen Sportoutfit eben!“. Wir können diesbezüglich nur schallend lachen, denn wenn eins nichts mit Fitness und Sport zu tun hat dann diese gestellten freizügigen Bilder. Wir sind nun auch schon eine ganze Zeit im Bereich Sport und Fitness unterwegs, diese „Mädels“ sind einfach NUR jung und schlank. Jedes geschulte Auge erkennt sofort, dass diese Fitness-Chicks in Ihrem Leben noch gar nie so viel Sport gemacht haben, geschweige denn mal ein ernsthaftes, schweißtreibendes Workout absolviert haben. Nicht Einer bzw. Eine die ernsthaft und intensiv trainieren geht, ist ausgestattet mit der knappsten Kleidung bzw. im Idealfall fast keiner Kleidung mehr, um dann zufällig immer das Handy oder die Kamera parat zu haben und die schönsten und überhaupt nicht gestellten Schnappschüsse breitbeinig oder in seltsamen anderen Posen, welche nichts mit Sport zu tun haben, abzulichten. Das sind die klassischen Fitnessbilder, die scheinbar erwartet werden. Diesbezüglich müssen wir Euch definitiv enttäuschen, in dieser Klientel bewegen wir uns nicht. Wir sind kein Schein und auch nicht unecht. Wenn man Bilder von uns findet, dann meistens verschwitzt und mit hochrotem Kopf, denn DAS ist die Realität und wenn wir was machen, machen wir es richtig. Zudem müssen wir gestehen, fehlt uns effektiv auch einfach die Zeit, denn Realität bedeutet auch Arbeiten in unserem Vollzeitjob, Stunden für unsere Kurse vorbereiten und diese unterrichten, auf Fortbildungen gehen usw.. Unser Fokus liegt nicht darauf den oft fremden Menschen auf irgendwelchen sozialen Medien zu gefallen, sondern wenn alles gut läuft ein Lob von einem unserer Teilnehmer zu bekommen, was für eine großartige Trainingseinheit das heute wieder war. Dafür arbeiten wir hart und wir lieben diesen Job!

Finden wir die Ursache für dieses Problem?

Woher dieses Denken und diese Einstellung kommt, können wir auch nicht genau sagen, wobei es eigentlich sehr schade ist, da immer mehr auf die Außenwelt und deren Eindrücke geschaut wird, als auf einen selbst. Es ist aber durchaus denkbar, dass es ein Problem der heutigen Gesellschaft ist, welche sich so von Werbung und den sozialen Medien beeinflussen lässt, dass keiner mehr seine eigenen Urinstinkte wahrnehmen kann. Man kann nur hoffen, dass wir zu diesen irgendwann zurückkehren, denn Schönheit, ein junger Körper oder das Präsentieren eines Scheins sind vergänglich. Wichtig ist doch, wie es in uns drin aussieht.

Abschließend können wir für uns nur sagen: uns ist es inzwischen völlig egal wie wir nach einer Stunde Workout aussehen, denn wir wissen, wir haben was getan, wir haben es für uns getan und die Ausschüttung der Endorphine in einem Ausmaß, welches man nur kennt, wenn man wahrlich mal eine solche Einheit hinter sich hat, ist die beste Belohnung überhaupt. Das pure Glück kann man sich nicht kaufen, man muss es fühlen. Und wenn du dir selbst etwas Gutes tust, sei es durch Yoga, Laufen oder was immer deinem Körper auch guttut, macht es DICH zufrieden und das ist doch das Wichtigste!

In diesem Sinne Ihr Lieben, lasst die Schminke und die Kamera für das ideale Posing mal zu Hause und genießt die Zeit mit euch. Trainiert und spürt mal was es heißt, das pure Glück und die innere Zufriedenheit zu empfinden. Und lasst euch eins gesagt sein: „Perfekt aussehen muss man nur, wenn man sonst nichts kann!“

Viel Spaß und der Schein ist nicht alles, was zählt ist das Sein!

Liebe Grüße

Eure 2fitgirls

Sandra & Ilona 

Teil: Der Schatten unserer heutigen Scheinwelt

Beitragsbild Quelle: Depositphoto, @tweek

7 Comments on “Oh du schöne Scheinwelt

Lotta
25. Januar 2017 um 9:17

Hey ihr beiden,
sehr guter Artikel und echt ein wichtiges Thema! Leider ist man als unkritischer Beobachter oft dazu geneigt, alles für bare Münze zu nehmen. Und dann fallen einem so offensichtliche Fakes gar nicht ins Auge, weil es Wunschdenken ist, dass die Fitness-Idole nun mal, jung, hübsch und perfekt sind. Ihr habt recht: Auch wenn sie so tun, sind sie bestimmt nicht fit!
Ich finde es ehrlich gesagt auch lächerlich, dass viele dem nacheifern, weil sie es für echt halten und weil ihnen nicht wichtig ist, leistungsfähig, stark und fit zu sein, sondern nur gut auszusehen. Diese Poser-Mentalität ist sehr oberflächlich und wenn sie vielleicht auch niemandem schadet; nützen tut sie jedenfalls nichts!
Ich will mich in Zukunft nicht mehr davon blenden lassen und mein Ding durchziehen! Denn am Ende zählt nicht, ob ich ein hübsches Foto von mir geschossen, sondern ob ich hart trainiert habe!
In diesem Sinne
beste Grüße,
Lotta

Antworten
2fitgirls
25. Januar 2017 um 13:07

Hallo Lotta, wir freuen uns riesig über deinen Kommentar, auch das wir mit dieser Ansicht nicht alleine dastehen. Du hast recht, diese Mentalität ist tatsächlich sehr oberflächlich! Vielleicht hilft es ja schon den Leuten hin und wieder vor Augen zu führen, auch mal hinter die Fassade zu gucken. Uns geht es auf jeden Fall wie Dir, ein gelungenes, hartes Training ist uns wichtiger, als danach noch hübsch auszusehen; -) sportliche grüße zurück!

Antworten
Michael
25. Januar 2017 um 20:28

Im Studio habe ich auch noch niemanden gesehen, der/die wie aus dem Ei gepellt nach dem Training wieder zurück in die Umkleide geht… Es gilt häufig in den Sozialen Medien ein Image zu pflegen… leider…aber das betrifft nicht nur die ‚Fitness-Chicks’… auch Läufer erzählen gerne von Ihren entspannten 3:30/ 3:45 Min/km Läufen und dann einen tiefenentspannten Schnappschuss nach dem Lauf dazu…

Willkommen in der „schönen“ digitalen Welt…

Antworten
2fitgirls
26. Januar 2017 um 9:31

Hallo Michael, vielen Dank für deinen Kommentar! Freut uns, dass auch ein Mann offensichtlich unsere Meinung teilt! Wie du schon so schön sagst, wird es diese Menschen, deren Image wichtiger als das tatsächliche Sein ist, in allen Bereichen geben…schon traurig eigentlich! Na ja wir lassen uns davon nicht beirren, stehen zu uns und unserem Aussehen nach einer Trainingseinheit, womit wir offensichtlich nicht allein sind :-)! Eine tolle Bestätigung! Sportliche Grüße

Antworten
Poli
26. Januar 2017 um 16:23

Ich wollte gestern direkt eigentlich schon was dazu geschrieben haben, habs aber verschwitzt gestern abend 🙂 Aber der Artikel setzt ein Denkmal, ein Denkmal auf die gute alte Zeit 🙂 Ich habe vor knapp 24 Jahren mit dem Bodybuilding begonnen und die einzigen Ablenkungen waren damals die sich verirrten Mädels im Club mit einer Männerquote von 99% in denen wirklich noch trainiert wurde. Ich habe in einem sehr kleinen Studio begonnen, in dem man echte Muskelmänner beim Training sah, in dem Studio setzte ich den Grundstein mich auf Leistungsebene mit anderen Athleten messen zu wollen. Damals war nicht alles nur Schein und Glanz, damals saßen nicht 9 von 10 Leuten mit ihrem Smartphone auf den Geräten, damals haben auch alle Mädels wirklich trainiert und nicht wie heute vor dem Training noch Make up aufgelegt ;-))) Ich bin kein Verfechter der Moderne, auch wenn ich die Entwicklung unseres Sports keinesfalls verteufeln will, aber damals waren die Sportler irgendwie ehrgeiziger und ernsthafter mit dem Training beschäftigt, damals gab es nicht so viel kostenloses Wissen. Damals wurden Bücher gelesen, statt sich von irgendwelchen selbsternannten Fitnessmänneken Youtube Videos anzuschauen :)) Auch gegen die Youtube Generation habe ich nichts, auch wenn mich manch ein Fitness-Profi auf Youtube mit einem Jahr und weniger Erfahrung mit unserem Sport manchmal echt nervt 🙂 Aber wir ernsthaften Sportler werden diese ganzen Flitzepiepen überleben. Wenn sich die Youtuber dann irgendwann nur noch mit ihrem eigenen Gesabbel hören und im Supermarkt Fertigsuppen verkaufen, sind wir noch eisern am Eisen :))

Cooler Artikel

PS: ich hab echt nix gegen die Youtube Filmchen, insofern sie von Sportlern kommen, die wirklich Ahnung vom Sport haben 😉

Antworten
2Fitgirls
27. Januar 2017 um 8:57

Hallo Poli,
danke für so viel Lob und die Beschreibung aus Deiner Branche. Es ist immer wieder interessant, sich mit anderen Sportlern und eben auch „Sportarten“ auszutauschen.
Wir finden gerade auch den Wandel der Bodybuilding Szene sehr interessant!
Außerdem behaupten wir jetzt einfach mal, selbst wir als „Laien“ in diesem Bereich können erkennen, wer eher der „Poser“ ist und wer wirklich ernsthaft und auch mit Rücksicht
auf seinen Körper trainiert.
Stimmt, früher war vieles noch anders. Auch wenn ich (Sandra) damals „nur“ mittrainiert habe, anstatt wie heute selbst zu unterrichten, wie Du schon schreibst, man musste sich vieles aus Büchern & Co. aneignen, als es das gute Internet noch nicht gab.
Gerade das „Problem“ mit YouTube wollen wir in unserem nächsten Blog nochmals unter die Lupe nehmen 😉

sportliche Grüße!

Antworten
Poli
28. Januar 2017 um 8:09

Dann bin ich echt gespannt :))
Nehmt mal die nervigen Fitness-Youtuber auf die Schippe :))

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